David Safier – Mieses Karma



Eine Komödie mit Hintersinn, so würde ich dieses Buch bezeichnen. In erster Linie dient die Geschichte von der Karriererfau, die zu Tode kommt und dann als Ameise wiedergeboren wird, der Unterhaltung. Es hat also wenig Sinn, sich über Realitätsnähe oder geistigen Tiefgang auszulassen. Und ob man darüber lachen kann oder nicht, das ist wohl einerseits eine Frage des eigenen Humors und der Stimmung in der man sich gerade befindet.

Ich jedenfalls habe mich amüsiert. Sicher, die Personen sind nicht sonderlich vielschichtig. Aber erwartet man das von einem Buch, das so daher kommt? Nagut, die Männer hätten sie etwas mehr ausgestalten können…. der eine ist ein super Familienpapa, der andere der sexuelle Superheld. Nunja… wer in dieser Aufzählung Casanova vermisst, ja der ist im Buch wirklich der einzige Mann mit Charakter – mit liebenswerten Macken und einem ganz eigenen Charme.

Die Idee von der Ameise, welche nach und nach die verschiedenen Stufen der Reinkarnation erklimmt, um irgendwie wieder annähernd in ihr altes Leben zu gelangen, ist in jedem Fall nett erzählt. Es fällt schwer, das näher auszuführen, ohne Dialogwitz und Spannung zu nehmen.

Überraschend für mich: der erste Vegetarier mit zumindest ansatzweise überzeugenden Argumenten. Was mich aber nicht davon abhält, mich gleich auf mein fleischhaltiges Essen zu freuen (sollte es ein wiedergeborener Mensch sein: sammelt er nicht gutes Karma, indem er was gegen meinen Hunger und meinen Eisenmangel tut??)

Ebenfalls gefällt mir am Ende,  dass der Autor eine Lanze bricht für die unverschuldet Fettleibigen unserer Gesellschaft! Und die Erkenntnis, dass so mancher Dicke glücklicher ist als heruntergehungerte Supermodels oder Hausfrauen, die frustriert sind über ein paar wenige Kilos zuviel und nicht ahnen, welche Schwierigkeiten krankhaft Dicke haben mit der körperlichen Beeinträchtigung und der sozialen Ächtung.

Abzug gibts von mir aber für die Tatsache, dass auch die geläuterte Kim Lange die Qualität ihrer Liebe zu Alex und der zu Daniel allein danach misst, wie oft sie miteinander Sex haben und sich auch anmaßt, Ninas Liebe danach beurteilen zu können (“aha, die habe weniger Sex, also lieben sie sich auch weniger!”) – was ist denn das für eine abstoßende Logik?

So flach manch einer den Humor und die Schreibweise auch finden mag , die Handlung als langweilig und vorhersehbar abtut  – lohnt es sich nicht doch, den ein oder anderen Gedanken aufzugreifen?

Broschiert: 288 Seiten
Verlag:
Rowohlt Tb.; Auflage: 21 (2. Mai 2008)
ISBN-10:
3499244551

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