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Dieses Buch ist ein Mittelding aus den Beobachtungen zu einem Krankheitsverlauf und einem Krimi, denn je stärker der der einsame Held Konrad “Koni” Lang an Demenz erkrankt, desto mehr lebt er in der Vergangenheit und da tauchen Erinnerungen auf, die den Personen in seinem Umfeld nicht so richtig gefallen…
Zu Beginn des Romans ist Konrad lang ein Angestellter der industriellen Familie Koch, für die er eine Villa hütet, doch schon bald ist klar, dass ihn mit Elvira Senn mehr verbindet als nur ein Angestelltenverhältnis, denn obwohl Konrad das Anwesen versehentlich vollständig abbrennt, bleibt er mit den Kochs verbunden.
Der kommt der Leser zunächst nicht so recht hinter die Verbindung, abgesehen von der Tatsache, dass er gemeinsam mit Elviras Sohn Thomas Koch aufgewachsen ist: der Sohn einer einfachen Angestellten mit dem Koch-Erben. Nach und nach kommt jedoch Licht ins Dunkel – die dunklen Geschehnisse der Familie Koch, die Konrad hautnah miterlebt hat, wenn er auch damals zu kleinw ar um die Ergeignisse zu begreifen… Jetzt ist er zwar dement und kommt mit der Gegenwart immer weniger zurecht, dafür lebt die Vergangenheit auf und die Familie Koch fragt sich, an was alles Konrad sich erinnern wird – und ob ihm jemand zuhört.
Das Buch schildert sehr spannend und sehr wirklichkeitsnah die zunehmende Demenz Konrad Langs. Wie er zu Beginn versucht, seine Vergesslichkeit zu überspielen und sogar noch eine neue Liebe aufbauen möchte – doch die Krankheit schreitet unaufhaltsam voran – bis er sich sogar nicht einmal mehr erinnern kann, wie seine zukünftige Braut heißt. Doch es ist nicht nur eine Tragödie, ein unaufhaltsamer Fall des Helden – nein, das Buch schildert auch die Fürsorglichkeit und wie sich verschiedene Personen aus den unterschiedlichsten Gründen um Konrad bemühen. Wie ein ganzes Team aus Ärzten und Pflegepersonal schließlich um die verbliebenen funktionierenden Gehirnzellen kämpft…
Aber das ist auch der Punkt wo meine Kritik einsetzt. Im späteren Verlauf des Buches gibt der Autor die Realitätsnähe ein wenig zugunsten der kriminalistischen Handlung auf, denn welcher Demenzkranke hat schon so ein Glück, dass ein solches Vermögen für ihn eingesetzt werden kann?
Das Ende des Romans ist für mich auch die Schwachstelle des Romans – es ist zwar kein Happy-End, aber eben doch zu glücklich als man es bei so einer Krankheit im Allgemeinen erwartet kann.
Ich bin kein Fachmann und kann nicht beurteilen, welche Demenz Konrad Lang hat – und welche Arten von Demenz heutzutage “heilbar” sind und welche nur verzögerbar. Jedenfalls habe ich bisher von keinem Demenzkranken gehört, dessen Schicksal sich noch so sehr zum Positiven wendet, wie das des Konrad Lang. Oder wil Suter genau das? Dem Leser ein halbwegs positives Ende schenken, Hoffnung machen?
Auf jeden Fall ein interessantes Buch – zwar mit einem bedrückenden Thema, zu dem man dann vermutlich auch nicht viel anderes mehr lesen mag – aber in jedem Fall lesenswert!
Taschenbuch: 323 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 25., Aufl. (März 1999)
ISBN-10: 3257230885