Stieg Larsson – Verblendung

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Ein sehr schöner Krimi, der Lust auf Teil 2 und 3 macht, denn Mikael Blomquist und noch mehr die Figur der Lisbeth Salander weckt das Interesse des Lesers. Beide sind nicht gerade Vorzeige-Helden, sondern eher das Gegenteil. Sie schleppen eine ganze Menge alltäglicher und weniger alltäglicher Probleme mit sich herum.

Die Handlung entwickelt sich langsam, erstmal wird ziemlich ausführlich die Vorgeschichte um Blomquist und seine fehlerhafte Recherche bei seinem Wirtschaftsmagazin und die damit verbundenen Gerichtsverhandlung geschildert. Spannung kommt da noch nicht so recht auf. Das wird erst besser, als dann endlich Henrik Vanger auf den Plan tritt, um Mikael, den in Ungnade gefallenen Journalisten, zu bitten, sich der Sache mit seiner verschwundenen Nichte Harriet anzunehmen.

Im Laufe der Ermittlungen lernt er dann Lisbeth Salander kennen, die ihm fortan mit ihren ungewöhnlichen Talenten und Launen zur Seite steht. Gemeinsam gelingt es ihnen, den Jahrzehnte zurückliegenden Fall zu lösen – daran gabs natürlich für den Leser schon vorher keinen Zweifel, aber das wie ist wirklich eine gut erzählte, spannende Geschichte.

Leider sind mir aber auch ein paar weniger gelungene aspekte aufgefallen. Zum einen finde ich, dass der Anfang ruhig etwas hätte gestrafft werden können – man merkt dem Autor den Wunsch an, Wirtschaftsjournalismus als eine spannende Sache zu verkaufen – dies gelingt ihm bei mir jedoch nicht so recht.

Desweiteren scheint der Autor (oder der Übersetzer) eindeutig so manches Wort gern wieder und wieder zu verwenden: die Kritik an Dotcom-Unternehmen taucht immer wieder in den selben Worten auf – und später bei den Adjektiven, die Lisbeth Salander beschreiben bzw. ihre Wirkung auf andere Menschen, fallen auch immer wieder dieselben Worte… da wäre etwas mehr Kreativität wünscheswert gewesen. Aber ich glaube, das fällt auch nur dann auf, wenn man dieses Buch mehr oder weniger am Stück liest und so die Worte noch genau vor Augen hat. Bei längeren Unterbrechungen dürfte dies weniger ins Gewicht fallen – aber kann man diese Buch überhaupt länger zur Seite legen, wenn man nicht muss?!?

Ebenfalls wenig gefallen hat mir das Produkt-Placement im Buch. Es gibt zwar einen Hauch von zusätzlicher Realität, wenn immer wieder Marken von Autos, Lebensmitteln oder Kameraausrüstung genannt wird, aber auf mich wirkte es so störend wie eine Werbepause im Film – wenn auch zum Glück nicht ganz so lang anhaltend, dafür aber ebenso penetrant.

Übrigens hätte ich es besser gefunden, wenn der Stammbaum der Familie Vanger und die Karten von der Gegend irgenwo am Anfang oder am Beginn des Buches abgedruckt worden wären, wo man sie leicht wiederfindet – und nicht mitten im Text, wo man sie zwar in dem Moment auch braucht, aber eben nicht nur in dem Moment, sondern auch später hier und da mal, vorausgesetzt, man findet die Seite wieder.

Dass ein bißchen viel Sex und Gewalt im Buch vorkommt – ja, auch das muss ich kritisieren. Aber das verkauft sich nunmal, leider! Weniger wäre auch hier mehr gewesen und bei mir gibt es immer noch Pluspunkte, wenn Bücher oder Filme ganz ohne ausgiebig geschilderten/dargestellten Sex auskommen. So habe ich auch die Dreiecksbeziehung mit Erika Berger als völlig überflǘssig empfunden…

Trotz allem ist es ein empfehlenswerter Thriller und ich bin gespannt auf den Film , den ich leider noch nicht gesehen habe, auch wenn ich die Befürchtung habe, dass Noomi Rapace zwar eine gute, aber viel zu hübsche Lisbeth Salander abgibt. Wer über gewisse Mängel also hinwegsehen kann, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen und die 700 Seiten sind auch ganz flott gelesen!

Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag:
Heyne Verlag (1. Mai 2007)
ISBN-10:
3453432452

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