




Wer die Geschichten aus Zamonien kennt, geht mit hohen Erwartungen an diese Lektüre – und wird möglicherweise enttäuscht. Die Geschichte von der fast verhungerten Kratze, die ihr Leben dem Schrecksenmeister vermacht im Tausch gegen einen Monat ordentliches Essen, ist zwar wie gewoht spannend und nett illustriert, enthält aber eindeutig Längen.
Moers entwirft ein prachtvolles Schloss als Behausung für den Schrecksenmeister und bevölkert dieses und seine Umgebung mit interessante, witzigen und gefährlichen Kreaturen (ich erinnere da an die Ledermäuse, die Schmerzenskerzenund die überaus unterhaltsame Sprechweise des einäugigen Schuhu Fjodor).
Das alchimistische Laboratorium oder der Schrecksengarten zeigen deutlich die Liebe zum Detail, die in der Geschichte steckt. Leider wird sie in diesem Fall auch hin und wieder zur Quälerei für den Leser, wenn in endlosen Aneinanderreihungen die kulinarischen Genüsse geschildert werden, die der Schrecksenmeister Eißpin dem Krätzchen vorsetzt. Es scheint so, als hätte Moers nicht gewusst, wohin mit seiner überbordenden Kreativität – undhätte jeden Einfall unbedingt in dem Buch unterbringen wollen. Meiner Meinung nach wäre weniger an manchen Stellen mehr gewesen. Wohingegen bei der Auswahl der Orte ein bißchen mehr hätte sein dürfen, da das Buch fast ausschließlich im (oder auf dem) Schloss spielt – von einigen wenigen Ausflügen nach Sledwaya oder in den Unkenwald abgesehen…
Die Vorlage von Gottfried Keller kenne ich allerdings nicht – und verstehe daher wieder die Anspielungen, noch die Vorwürfe, er habe einfach dieselbe Geschichte neu erzählt. Das wäre noch zu erforschen….
Meiner Meinung nach zwar gute Unterhaltung aber lange nicht so gut wie die anderen Zamonien-Geschichten, allen voran die “Stadt der träumenden Bücher”. Ist die Luft etwa raus? Das Pulver verschossen?
Broschiert: 382 Seiten
Verlag: Piper (13. März 2009)
ISBN-10: 3492253776