Thomas R. P. Mielke – Orlando furioso

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Eigentlich war Ariosts Orlando furioso zu lesen, aber nachdem ich da in Originalsprache exig gebraucht habe für die ersten “Gesänge”, hatte ich beschlossen, parallel die Prosafassung zu lesen. Tja… was soll ich dazu schreiben. Einerseits steht fest: Mielke hat sein Handwerk verstanden, als er das so furchtbar lange Epos des Ariost in einen zusammenhängenden Text gefasst hat. Meine Hochachtung, das muss eine Heiden-Arbeit gewesen sein! Gleichzeitig bleibt er sehr dicht am Original, verfälscht eigentlich kaum etwas und erleichtert dem Leser durch ein umfangreiches Personen-Register und eine mittelalterliche Weltkarte das Zurechtfinden. Gut, bei der Karte hätte man noch ein paar Handlungsorte mehr einzeichnen können… und das Personenregister (mit sehr guter, knapper Kurzbeschreibung) scheint mir auch nicht so ganz vollständig, aber das ist auch ziemlich schwierig, den der Stoff enthält soviele Personen, dass es eigentlich unmöglich erscheint, den kompletten Überblick zu erhalten.

Inhaltlich gibt es zwei Haupthandlungen:

1) Ritter Orlandos Liebe zu der Cathay-Prinzessin Angelica und seine rasende Eifersucht, als diese nichts von ihm wissen will (sondern von einem anderen)…

2) Bradamante und Ruggiero, das zunächst “verhinderte” Liebespaar, mit welchem Ariost den Stammbaum seiner Brotherrn, der d’Este, zeichnen will.

Drumherum mischen sich hunderte andere Personen mit ihren Geschichten… Frauen in Not, sagenhafte Kämpfe zwischen Sarazenen/Heiden und Christen, Karl V. und seine Paladin und zwischendrin Fabelwesen, Zauberer, Feen und mystische Gegenstände.

Ich habe ziemlich lange gebraucht, um das Buch zu lesen – ich weiß nicht, ob es an den Umständen lag, dass ich bevorzugt dabei eingeschlafen bin… jedenfalls zieht es sich ganz schön in die Länge und was immer und immer wieder passiert: Spielarten der Liebe und Gemetzel – das wars eigentlich.

Bezeichnend ist folgende kleine Episode mit meinem Mann, nachdem ich das Buch endlich ausgelesen hatte:

        er: “jetzt musst Du es aber nochmal lesen, um es richtig zu verinnerlichen!”
        ich: “ganz sicher nicht – ich HAB es jetzt verinnerlich.”
        er: “nagut, was steht auf Seite 54?”
        ich: “im Zweifelsfall hauen sie sich”
        er *blättert*: “oh, stimmt!”

In diesem speziellen Fall kämpft gerade Bradamante gegen den Magier auf dem Hyppogryph. Sei’s drum.

Einerseits ein interessantes Buch, das als Stoff für viele andere bekannte Werke geliefert hat (so ziemlich jeder Fantasy-Roman hat Anlehnungen hieran), sogar für Shakespeares Viel Lärmen um Nichts. Trotzdem – ich habe genug davon und ich bin auch hier der Meinung: weniger wäre mehr gewesen – schon bei Ariost natürlich.

 

        Broschiert: 736 Seiten
        Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 1 (Juli 2004)
        ISBN-10: 3746620627

 

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