Lars Saabye Christensen – Der Halbbruder

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Inhalt:
Erzählt wird zum einen die Geschichte des jungen Barnum (von ihm selbst), der durch seinen Kleinwuchs vieles erlebt und vieles erleiden muss. Zugleich geht es aber noch ein bißchen weiter zurück Im Leben seiner Mutter so dass es zugleich auch ihre Geschichte ist und die seiner Halbbruders Fred.
Fred ist anders – ebenso wie Barnum – allerdings nicht physisch sondern psychisch. Und eines Tages verschwindet er spurlos…
Das Buch spielt in Oslo über den Zeitraum von 1945 bis in die 80er hinein.

Meine Meinung:

Erstens muss man sagen, dass dieses Buch nicht sehr “actionreich” ist – es passiert zwar vielerlei, aber eigentlich sind es Geschehnisse aus dem Alltag der Familie, der Schule und der Nachbarschaft.
Trotzdem ist das Buch weit entfernt davon langweilig zu sein :!: – das liegt einfach daran, dass das, was erzählt ist, so gut erzählt ist, dass man alles gut nachvollziehen kann, jedes Benehmen, jede Absonderlichkeit. :tongue:

Zweitens habe ich noch nicht erwähnt, dass dieses Buch irgendwie auch sehr komisch (im Sinne von lustig) ist. Zwar handelt es sich meist um eine subtile Komik, oft auch ein bißchen tragisch zugleich, aber heute habe ich dann doch auch mal richtig lachen müssen als Barnum erstmalig in die Tanzstunde gekommen ist und der darauffolgende Besuch seines neuen Freundes – beides Szenen die einfach köstlich beschrieben sind
Mir hat dieses Buch sehr gefallen. Der Stil zum Beispiel, man rutscht so richtig schön mit rein in die Geschichte. Die Familie und Freunde werden einem so gut bekannt, dass man sie nachher richtig vermisst.
Die Figuren sind zwar teilweise schon sehr ungewöhnlich, aber sie sind in sich stimmig, je mehr man über sie erfährt.
Ich finde, dass die Sprache sehr schön ist und nicht so sehr kompliziert, dass sie aber zugleich eine sehr dichte Atmosphäre vermittelt und man nicht drum rum kommt, über das ein oder andere intensiv nachzudenken, so dass man das Buch eigentlich doch nicht “einfach so runterlesen” kann.
Mir gefällt auch das Ende, da einiges ungesagt und einiges offen bleibt – das stimmt viel nachdenklicher, als wenn man ein Happy-End präsentiert bekäme…
Ich kann jedenfalls nur dazu raten, dieses Buch zu lesen.

Und dem Spiegel kann ich mich nur anschließen: “Selten hat ein Schriftsteller so klug, feinfühlig und liebevoll von den Mühen des Erwachsenwerdens, von Geschwisterliebe, Freundschaft, Tod und der Kraft der Vergebung erzählt.”

Taschenbuch: 778 Seiten
Verlag:
btb Verlag (15. August 2006)
ISBN-10:
3442729254

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