Nun habe ich ihn doch auch mal gelesen, den berühmten ersten Band der Highland-Saga….
Ich muss sagen, irgendwie bin ich doch ein bißchen enttäuscht, denn was hat man nicht alles für Lobreden gehört über das schöne Liebespaar Jamie und Claire – gerade so als wären sie Romeo und Julia.
Die magische Zeitreise ins Schottland des 18. Jahrhunderts war für mich lange nicht so wild-romantisch, wie der Klappentext verheißen wollte.
Die Figuren blieben recht eindimensional – der durch und durch böse, brutale Jonathan Randall und ihm gegenüber die engelsgleiche Claire und der heldenhafte Jamie Fraser: groß, muskulös und trotzdem feinfühlig – eben ein Bild von einem Mann.
Da sind die Nebenfiguren schon wesentlich interessanter und vielschichtiger. Geilis Duncan zum Beispiel oder die Brüder MacKenzie, sogar der verschlossene Murtagh.
Die Handlung der knapp 800 Seiten ist ganz nett, liest sich flüssig und stellt eigentlich keine Ansprüche an den Intellekt des Lesers. Aber mal ehrlich, nachdem die beiden Protagonisten sich recht zügig gefunden haben, wird die Handlung andauernd mit wildem Gerammel unterbrochen. Kann heute eigentlich niemand mehr eine romantische Liebesgeschichte schreiben, ohne dass dauernd wort- und detailreich beschrieben wird, wer wann wo wie oft und mit wem in welcher Stellung….. ? Offenbar nicht. Das ist weder romantisch, noch glaubwürdig. Egal ob mitten im Wald oder im Kloster, ob auf einer lebensgefährliche Flucht oder gerade einer fast todbringenden Krankheit erliegend, sogar nach einem Streit mit brutaler Auspeitschung der Ehefrau durch den Ehemann): die beiden sind körperlich allzeit bereit und willens, sich gegenseitig ihre Liebe zu demonstrieren, und der arme Leser weiß nicht, ob er schamhaft erröten oder beim 100sten Mal lieber gelangweilt gähnen soll.
Würde man all die Szenen streichen, die ich mir lieber vor meinem geistigen Auge ausmalen würde, als davon zu lesen – dann wäre das Buch vermutlich nur ein Drittel so dick!
Punkte gibts also für den flüssigen Schreibstil und das, was an Handlung noch übrig bleibt, wenn man die unanständigen (vor allem häufig überflüssigen) Szenen streicht.
Ich werde den zweiten Band lesen – weil es einerseits nicht viel Aufwand bedarf, da es sich ja zugegebenermaßen schnell und flüssig liest und weil ich ihn andererseits schon mal hier stehen habe. Was mit den restlichen 5 Folgebänden ist, das steht in den Sternen – erstmal muss ich schauen, ob der zweite Band um einiges besser ist als der erste oder ob sich doch nur alles endlos wiederholt……
Wer in diesem Buch die größte Liebesgeschichte aller Zeiten sieht – oha, armer Mensch! – der hat entweder noch nicht viele gelesen oder hat doch zumindest eine gänzlich andere Vorstellung von Romantik als ich.
Taschenbuch: 800 Seiten
Verlag: Blanvalet; Auflage: 15.A., (1. Mai 1998)
ISBN-10: 3442350042


