




Nachdem ich vor einigen Monaten “Die Bücherdiebin” gelesen hatte, wollte ich den Autor gern noch etwas besser kennenlernen und habe mir daher auch den “Joker” vorgenommen. Ich wusste nicht, dass es ein Jugendbuch ist – aber ist es das auch wirklich? Es gibt Bücher, die man in jedem Alter lesen kann, nur dass man vielleicht etwas anderes herausliest… So ist es auch mit dem Joker, der Geschichte von Ed Kennedy, dem Normalen, dem durchschnittlichen Versager.
Ed Kennedy wird, ohne es zu wollen und ohne es anfangs zu merken, zum Helden, wächst über sich hinaus. Beginnend damit, dass er fast aus Versehen einen Bankraub verhindert, berkommt er daraufhin von einem Unbekannten neue “Aufgaben”, Rätsel auf Spielkarten, die er lösen muss. Und jedes Mal muss er nicht nur herausfinden, wo sein Aktionsfeld liegt, sonder auch, was es dort zu tun gibt. Und die Aufgaben werden immer schwerer…
Ein seltsames Buch. Eine interssante Idee einerseits. Ein großer moralischer Zeigefinger andererseits. Die Botschaft ist überdeutlich: mach etwas aus Deinem Leben, jeder kann das schaffen! Und gleichzeitig die teilweise doch naive Art, wie Ed seine Probleme angeht. Ohne hier zuviel verraten zu wollen, aber haben wir nicht alle schonmal gehört “Gewalt erzeugt Gegengewalt”? Nicht so bei Ed – auf wundersame Weise scheint er immer genau das Richtige zu tun und jedem das zu geben, was/sie braucht.
Was die Moral angeht, kein Wunder, dass das Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommt – jeder Erwachsene steht doch schließlich hinter der Botschaft. Kinder, macht was aus Eurem Leben, ihr habt alle Möglichkeiten! Um der jugendlichen Zielgruppe gerecht zu werden, wählt der Autor eine einfache Jugendsprache, gebraucht diese aber kreativ und zweckmäßig – vom Stil her aber so ganz und gar anders als er es bei der Bücherdiebin getan hat. Ein Pluspunkt sich so gekonnt in verschiedenen Stilrichtungen bewegen zu können – auch wenn mir persönlich die andere Sprache besser gefallen hat.
Der Anfang des Buches war meiner Meinung nach nicht so glücklich – zuviel Moral, die im Widerspruch steht zu den Aktionen Ed Kennedys – nein, unsereiner kann nicht mal eben jemanden mit einer Pistole bedrohen und umbringen wollen (auch wenn es sich dabei um einen ganz fiesen Kerl handel), nein, unsereiner vermöbelt auch keine Jugendlichen, bloß weil diese anscheinend keine andere Sprache verstehen….
Später jedoch werden die Lösungen der Aufgaben intelligenter, ob das nun an Eds Entwicklung liegt oder an der des Autors.
Ich habe mich gefragt, ob die Parallelen zu den Filmen “The Game” oder auch “Truman Show” beabsichtigt sind oder ob es bloß Assoziationen von mir sind….?
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: cbt (6. Oktober 2008)
ISBN-10: 3570305392